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SPRACHBIOGRAPHIE

Zurab, 21:

Georgisch / Deutsch / Englisch / Russisch
Russisch, etwas ganz anderes

Zurab kam mit seiner ganzen Familie von Georgien nach Österreich. Er war damals 13 Jahre alt. Seine Muttersprache ist Georgisch und in der Schule lernte er Russisch und Englisch als zweite Fremdsprache. Er meint, dass Russisch durch die ehemalige Sowjetunion sehr dominant war und jetzt aber hauptsächlich Englisch stattdessen verwendet wird.

Der Unterricht in Georgien war sehr auf das Lernen des Russischen fixiert. In der ersten Klasse wurde noch auf Georgisch unterrichtet, in der zweiten lernten sie dann aber schon Russisch und Englisch. Das war im Alter von 6 Jahren. Russisch mochte Zurab garnicht und es war auch schwer zu lernen, da es “etwas ganz anderes ist”.

In seiner Familie wird Georgisch gesprochen. Er hat einen um zwei Jahre jüngeren Bruder und eine kleine 9-jährige Schwester. Sieben Jahre lang wohnten sie in Arnfels, in der Südsteiermark, bis sie vor zwei Jahren nach Leibnitz zogen.

Ein Extralehrer in der Schule

Anfangs war es sehr schwer für ihn, weil er kein Deutsch konnte. Das Englische half ihm aber sehr. In der Hauptschule hatte er gemeinsam mit anderen Schülern einen Extralehrer, der ihnen half die deutsche Sprache zu erlernen. Nach zwei Jahren wurden sie gleichwertig wie die anderen Mitschüler benotet. Er sagt, dass der Umgang mit den Mitschülern in Ordnung war, es aber trotzdem Probleme gegeben hat.

In Georgien konnte er schon sehr gut Englisch sprechen, wozu er meint, dass er vieles wieder vergessen hat und es auffrischen möchte, da ihm die englische Sprache wichtig ist.

Nach der Hauptschule maturierte er am BORG Deutschlandsberg. Weiteren Kontakt hatte er in der Schulzeit hauptsächlich mit Unterrichtssprachen wie Französisch und Latein. Französisch lernte er für ein Schuljahr und Latein hatte er drei Jahre lang, wobei er mittlerweile auch alles Gelernte wieder vergessen hat. Für Latein entschied er sich deshalb, weil er daran dachte Medizin zu studieren. Zurzeit studiert er Chemie in Graz. Hier in Graz kennt er fast keine Georgier und in Leibnitz noch weniger.

Sprechen, Lesen, Schreiben

Mit dem Georgischen fühlt er sich noch verbunden, jedoch ist Österreich sein zweites Heimatland … er ist ja schon seit 8 Jahren hier. Georgisch weiterhin zu sprechen ist ihm sehr wichtig. Auch Lesen und Schreiben ist kein Problem. Manchmal kann er sich an einzelne Wörter nicht erinnern, aber das ist auch schon die einzige Schwierigkeit.

Zurabs Mutter, die in Georgien Lehrerin war, unterrichtet ihre Tochter in Georgisch. Sie wächst hier zweisprachig auf. Zurab würde seine Kinder ebenfalls zweisprachig erziehen, weil er meint, dass “man damit ja nix falsch machen kann und es nur ein Vorteil sein kann”.

Seine Eltern sprechen Russisch und Georgisch und haben imzuge der Auswanderung nach Österreich Deutsch gelernt. Sie haben 4 oder 5 georgische Fernsehsender, die seine Eltern meistens zum Schauen von Nachrichten benutzen. Er schaut eher selten georgisches Fernsehen.

Seine Großeltern wohnen hier bei ihnen, die anderen Großeltern sind noch in Georgien. Der hier wohnende Großvater war vor 30 Jahren Deutschlehrer in Georgien.

 

Diese Sprachbiographie wurden von treffpunkt sprachen / Plurilingualismus der Universität Graz erarbeitet.

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