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SPRACHBIOGRAPHIE

Arian, 14:

Deutsch/Albanisch/Englisch/Spanisch

Die ersten 4 Jahre nur Albanisch

Arian war nur 10 Tage alt, als er nach Österreich kam. Seine Mutter erzählt, dass er die ersten vier Jahre mit Albanisch und Englisch aufgewachsen ist. Erst im Alter von vier ein halb Jahren als er in den Kindergarten kam, kam er in Kontakt mit der deutschen Sprache. Seine Mutter wollte unbedingt, dass Arian die Muttersprache zuerst lernt, da sie wusste, dass er die deutsche Sprache, sobald er im Kindergarten war, schnell erlernen würde. So wurden die ersten vier Jahre zuhause nur Albanisch gesprochen.

Fließend Deutsch in der Volkschule

In der Volkschule sprach Arian schon fließend Deutsch und hatte jedes der vier Volkschuljahre mit sehr guten Noten abgeschlossen, auch in Deutsch hatte er einen Einser und die Lehrerin lobte ihn, dass man ihm gar nicht anmerke, kein Österreicher zu sein, da Arian damals schon keinen Akzent hatte, wenn er Deutsch sprach.

Albanisch, Englisch, Deutsch und Spanisch mit den Freunden

Arian hat viele Freunde, die aus dem Kosovo kommen, ein paar davon sind sogar seine Cousins. Die Kosovaren sind ja dafür bekannt, dass sie so viele Verwandte haben, und das auch noch überall auf der Welt, erzählt Arian und lacht. Er hat aber auch Freunde aus Albanien, Bosnien, Kroatien, Iran, Spanien und Österreich und es kommt immer auf die Situation drauf an, in welcher Sprache er mit ihnen spricht.

Mit den albanischen Freunden spricht er nur Albanisch, wenn sie alleine sind. Er hat nämlich Angst, dass seine Freunde glauben würden, dass er über sie redet, und deswegen habe er sich abgewöhnt, in der Gruppe in einer anderen als der deutschen Sprache zu sprechen. Auch Englisch wird viel gesprochen, da es alle so „cool“ finden, dass Arian die englische Sprache so gut beherrscht und sie von ihm lernen wollen. Im Englischunterricht nennen ihn seine Klassenkollegen sogar „las lebende Wörterbuch“ weil er fast immer alle Vokabel weiß, und weil er immer Einser schreibt. Spanisch spricht er nur in der Schule mit seinem Freund, der aus Barcelona kommt. Arian hat Spanisch zwar nur in der Schule gelernt, kann sich aber mit seinem Freund Carlo ganz normal unterhalten. „Carlito meint, dass ich einen Akzent habe, aber ich höre ihn nicht“, lacht Arian.

Zuhause werden die Sprachen gemischt

Arian erzählt, dass er mit seinen Geschwistern Deutsch und Englisch, abwechselnd oder gemischt, spricht. Er sagt, es falle ihm nicht unbedingt leichter und er könnte mit ihnen in allen drei Sprachen kommunizieren, da aber seine Geschwister sowieso immer auf Deutsch oder Englisch antworten, habe er sich angewöhnt, mit ihnen diese zwei Sprachen gemischt anzuwenden. Es werden aber auch viele albanische Begriffe verwendet, dann werden sogar drei Sprachen gleichzeitig gesprochen. Wenn sie zum Beispiel lachen, weil ihre Eltern etwas witzig ausgesprochen haben, sprechen sie manchmal deutsche Wörter ganz albanisch aus und übertreiben es, um ihre Eltern zu ärgern und übersetzen dann alles ins Englische, damit es dann noch lustiger klingt.

Sätze wie „Mom, did you do my laundry? I need my stuff für Fußball tomorrow, wast eh” oder “ Ich hab keine homework bekommen heute, yay for me”, sind Sätze, die man oft aus Arian‘s Mund hört, erzählt seine Mutter Linda.

Mit seinen Eltern spricht Arian Albanisch gemischt mit englischen Ausdrücken, da sie seiner Meinung nach nie verstehen, was er wirklich meint, wenn er Deutsch spricht und auch gewisse Wörter, die „nur Jugendliche verwenden“, nicht verstehen, selbst wenn er ihnen diese erklären würde.

Sprechen mit Tieren und Babys

Wenn Arian mit Tieren oder Babys spricht, verwendet er die deutsche Sprache, da er alle Art von Verniedlichungen generell auf Deutsch sagt. Im Albanischen gibt es auch so gut wie keine Verniedlichungen, zumindest was Tiere betrifft, denn man „spricht“  im Kosovo und Albanien nicht mit Tieren, da sie in der Gesellschaft einen geringeren Stellenwert haben.

 

Diese Sprachbiographie wurden von treffpunkt sprachen / Plurilingualismus der Universität Graz erarbeitet.

MULTILINGUAL GRAZ ist ein Forschungsprojekt von treffpunkt sprachen / Plurilingualismus der Universität Graz
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