MULTILINGUAL GRAZ
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SPRACHVERWENDUNGSPROFILE

Maria, 38:

Portugiesisch / Deutsch / Italienisch / Englisch

Die Interviewte spricht Portugiesisch (Muttersprache), Deutsch, Italienisch und Englisch. 1992 kam sie nach Österreich, nachdem sie durch eine Brieffreundschaft ihren späteren Ehemann (nunmehr Ex-Ehemann) kennen gelernt hatte. Das war auch der Grund, weshalb sie nach Österreich kam. Zwei Jahre lang lebte sie in Liezen, bevor sie 1994 nach Graz zog. In Brasilien hatte sie zwei Semester Sozialwissenschaften studiert, in Österreich hat sie dann schließlich eine Ausbildung zur Buchhalterin und Lohnverrechnerin absolviert. Als solche ist sie auch bei Danaida tätig. Etwaige Probleme mit der Integration in Österreich erwähnt sie während des Interviews nicht. Zur anfänglichen Sprachsituation meint sie, dass sie die ersten zwei Jahre in Österreich kaum, bzw. gar nicht, Portugiesisch gesprochen hat. Mit ihrem Mann sprach sie solange Englisch, bis sie der deutschen Sprache mächtig war. Damals war die Technik noch nicht so weit fortgeschritten wie heute, weshalb es ihr auch nicht so einfach möglich war, mit ihrer Familie in Brasilien zu telefonieren oder andersartig in Kontakt zu bleiben. Heute telefoniert sie häufig mit ihrer Mutter und ist auch durch das Internet in Kontakt mit den Verwandten, wodurch natürlich der Gebrauch des Portugiesischen aufrechterhalten wird. Nun ist die Interviewte schon seit 18 Jahren in Österreich, deswegen verwendet sie auch hauptsächlich Deutsch im Alltag. Der Gebrauch des Englischen (vorwiegend zur Kommunikation mit ihrem Mann) ist durch die notwendige Verwendung des Deutschen zurückgegangen. Heute spricht sie kaum mehr Englisch, außer es wird bei Danaida benötigt. Laut eigenen Angaben verwendet sie jeden Tag Deutsch, Italienisch (Telefonieren mit Freund in Italien) und Portugiesisch (zumindest schriftlich, zum Beispiel in Emails). Mit ihren Verwandten in Brasilien spricht sie nur Portugiesisch. Ihre Kinder hat sie nicht zweisprachig erzogen (was sie heute bereut). Zu Beginn (als sie nach Österreich kam) hat sie wie schon erwähnt 2 Jahre lang nicht Portugiesisch gesprochen. Mit ihren Töchtern spricht sie immer Deutsch. Die Töchter verständigen sich mit den Verwandten aus Brasilien mit „Hand und Fuß“ bzw. teilweise auf Französisch und Italienisch (eine Tochter mit der Großmutter).

Sprachverwendung

GESPRÄCHSSITUATION
SPRACHE
 
mit den Eltern: Portugiesisch
mit den Geschwistern: Portugiesisch, Deutsch
mit den eigenen Kindern: Deutsch
mit dem/der PartnerIn: Englisch, Deutsch, Italienisch
mit den Großeltern, Onkeln und Tanten: Portugiesisch
mit den Enkeln:
mit Freunden/-innen: Portugiesisch, Italienisch, Deutsch
mit entfernten Verwandten: Portugiesisch
mit Bekannten: Italienisch, Portugiesisch, Deutsch
mit Babys und Kindern: Deutsch, Portugiesisch
mit Hunden, Katzen, etc.: Portugiesisch, Deutsch
mit Kollegen/-innen (Arbeit, Schule): Portugiesisch, Deutsch  
mit Verkäufern/-innen, Kellnern/-innen, etc.: Deutsch
mit Ärztin/Arzt: Deutsch
mit Priestern/-innen: Deutsch, Italienisch
mit Vorgesetzten: Deutsch
auf Ämtern: Deutsch
mit Funktionsträgern/-innen: Deutsch
SPEZIELLE TÄTIGKEITEN
SPRACHE
beten: Portugiesisch, Deutsch
fluchen: Portugiesisch, Deutsch
träumen: hauptsächlich Deutsch, Portugiesisch, Italienisch
singen:
Musik hören: Portugiesisch, Italienisch, Deutsch, Englisch
zählen und rechnen:
lesen: Italienisch, Deutsch, Englisch
Notizen schreiben:
Briefe, E-Mails, etc.: Englisch, Portugiesisch, Deutsch
Internet: Italienisch, Portugiesisch, Deutsch
File, Fernsehen, Theater, etc.:

Die Profile basieren auf Interviews, die von Studierenden der Universität Graz im Rahmen der Proseminare Minderheitensprachen, WS 2009/10, Empirisches Arbeiten, WS 2010/11 und Sprache im Soziokulturellen Kontext, SS 2011 geführt wurden. Alle Angaben, auch die Namen der Sprachen, stammen von den Interviewten.

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